Mit Texas verbinden wir vor allem die Präsidentenfamilie Bush, die Todesstrafe, Cowboys mit und ohne Zigarette und vielleicht noch die dicksten Amerikaner, welche anscheinend in Houston leben. Je nach Alter auch noch Dallas, eine Fernsehserie mit dem Bösewicht JR.
Texas hat aber noch mehr zu bieten.
Und schon wären wir bei Ron Paul. Meinem zweiten (nationalen oder internationalen) Lieblingspolitiker, von denen es bekanntlich nicht gerade viele gibt. Und dies obwohl er ein konservativer, texanischer Politiker ist, wie es die Bush’s auch sind.
Über meienn anderen Liebelingspolitiker, Nigel Farage, könnt ihr hier nachlesen, weshalb ich den toll finde.
Im Gegensatz zu Ron Paul hat es Nigel Farage geschafft, sich auch im deutschsprachigen Raum einen Namen zu machen – dies seit der Brexit-Abstimmung.
Geht nicht!
Ron Paul ist ein politisches Ur-Gestein aus dem konservativen Lager. Ein Politiker, der schon seit Jahrzehnten auf höchster Ebene dabei ist und sich auch schon für die libertäre Partei (ja, es gibt mehr als zwei Parteien in Amerika) als Präsidentschaftskanditat aufgestellt hat. Von ihm ist in Europa wenig bis nichts zu lesen. Und wenn, dann eher belächelnd-belustigend. Der Spiegel listete einst einige seiner Auffassungen auf und schrieb darüber: „Es ist eine krude, eine polarisierende Mixtur, die Ron Paul da kredenzt.“ Damit wird er und seine „Jünger“ ganz sanft ins Lager der unseriösen Verschwörungstheoretiker geschoben.
Ron Paul könnte sich eine Legalisierung von Heroin gut vorstellen. Er findet, sich im Auto anzuschnallen oder nicht soll jedem selbst überlassen werden. Er bezeichnet sich selber als „pro life“, sprich Abtreibungsgegner. Er würde sofort verschiedene Ministerien schliessen und die Einkommenssteuer streichen. Überhaupt bekämpft er den Einfluss des Staates, wo immer nur möglich.
Ihr seht: ein komischer Kauz, dieser Ron Paul. Absolut nicht wählbar.
Geht nicht?
Doch wieso eigentlich nicht? Im direkten Vergleich mit anderen Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten steht er gar nicht so schlecht da. George W. Bush war ein Säufer und hat vor seiner Wahl zum Präsidenten einige Firmen in den Sand gesetzt. Sein Leistungsausweis ist eher bescheiden. Hillary Clinton ist eine abgrundtief böse und (zusammen mit Bill und ihrer Foundation) eine durch und durch korrupte Person. Donald Trump ist – naja, Donald Trump eben.
Der sichtbarste Unsichtbare
Vielleicht hat es ja einen anderen Grund, dass Ron Paul in den grossen Medien so schlecht wegkommt, wenn er überhaupt erwähnt und nicht dezent totgeschwiegen wird…
Mal überlegen, was das sein könnte:
Vielleicht liegt es daran, dass er die FED (die amerikanische Notenbank) abschaffen möchte und den Goldstandard wiederherstellen möchte.
Kleine Bemerkung am Rande: Die FED ist eine Privatbank, die für den amerikanischen Staat Geld aus dem Nichts erschafft und mit Zinsen dem Staat „verkauft“. Die FED ist keine staatliche Institiution, auch wenn der Name dies suggeriert.
Der Goldstandard wurde in den 70ern von Präsident Nixon abgeschafft. Man brauchte mehr Geld als im Gegenwert Gold zur Verfügung stand für – dreimal raten – den Vietnamkrieg.
FED abschaffen, Goldstandard schaffen? Kein unbegrenztes Geld mehr für den Krieg und die privaten Banken den FED? Geht auch nicht.
Vielleicht hat er einen zu klaren Durchblick. Schaut euch das Video Predictions 2002 (mit deutschen Untertiteln) einmal genau an. Hier sagt Ron Paul ziemlich genau auf zehn Jahre (!) voraus, was alles geschehen wird. Unterlegt werden die Aussagen mit Schlagzeilen aus den Presse. Klarer Durchblick? Geht leider auch nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass er den Patriot Act von Beginn an abgelehnt hat. Oder dass er den War Against Drugs endlich einstellen möchte.
Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass Ron Paul als einziger Kongressabgeordneter seit Jahrzehnten konsequent gegen jede Kriegshandlung abstimmte. Er möchte die Truppen aus dem Ausland abziehen und nicht überall den Weltpolizisten spielen und für Chaos und Tod sorgen.
Für den Frieden stimmen, nicht nur davon reden? Geht gar nicht.
Ich auch
Kurz zusammengefasst: Wenn jemand, der sich konsequent für Frieden einsetzt, für persönliche Freiheit und stabile Finanzverhältnisse steht und die weltpolitische Landschaft so klar durchschaut wie Ron Paul – dann will ich auch ein alter, kruder Verschwörungstheoretiker sein.